Styling-Beratung online. Geht das?

Vor einigen Jahren noch wurden Menschen beim Flanieren buchstäblich gescannt. Auf der Suche nach dem Markenlabel wurde das Outfit mit den Augen abgetastet. Wer zu den Marken-Victims gehörte, strafte dann schnell diejenigen ab, die nicht mit den angesagtesten Marken ausgestattet waren. Heute ist das Vorgehen ein anderes: Es geht nicht mehr (nur) darum, dass Marke getragen wird, sondern auch darum, wie das Kleidungsstück zu einem Look zusammengestellt wird. In diesem Zusammenhang nimmt die „passive Styling-Beratung“ immer mehr Raum ein. Was das genau bedeutet, soll dieser Ratgeber zeigen.

Hinter vielen Online-Varianten steckt lediglich die Technik

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Abbildung links : Hier zeigt sich der Unterschied. Die einzelnen Kleidungsstücke dieses Models werden so im regulären Online-Shop angepriesen.
Abbildung rechts: In Szene gesetzt mit Accessoires wie einer Kette und einem Hut sowie in Verbindung mit der passenden Kulisse wird eher ein Styling angeboten.

In vielen Online-Shops, die suggerieren, genau das passende Kleidungsstück oder gar Outfit anzupreisen, steckt vor allem eins: die Expertise der IT-Leute. Wie ausgereift diese ist, zeigt sich schnell beim Blick auf den Shop.

  • Die „bescheidenste“ Variante ist es, dem Kunden unterhalb des ausgewählten Produkts anzuzeigen: „Diese Produkte haben andere Verkäufer interessiert.“ Ob das nun wirklich wahr ist, hält jeder Shop anders. Wer jedoch einen Shop ausfindig macht, dem zur Skihose nicht etwa Mütze und Schaal angeboten werden, sondern eine Strand-Tunika, der weiß: Hier ist technisch etwas falsch gelaufen, oder es gibt wirklich Frauen, die sich einmal im Jahr fürs Skifahren und für den Strand ausrüsten.
  • Deutlich ausgefeilter ist da schon die technische Variante, die nicht nur Einzelprodukte anbietet, sondern im Handumdrehen ein ganzes Outfit rund um das auserwählte Lieblingsteil kreiert. Entsprechende Links ermöglichen dann, das komplette Outfit bzw. auch die Einzelteile genauer unter die Produkt-Lupe zu nehmen.    

Zukunftsfähig ohne Stangenware? So geht’s

Der Sneaker Shop Allikestore, der nicht nur online zu finden ist, sondern bereits im Jahr 2014 in der Virchowstraße in Hamburg, Ortsteil Altona-Altstadt, seine Tore geöffnet hat, hat eine klar formulierte Philosophie: „Den Spirit der Street- und Sportswear-Culture leben wir nicht nur einfach, wir zelebrieren ihn. Auf Grund dessen kreieren wir mit unserem Fashion-Angebot einen allumfassenden Look mit hohem Wiedererkennungswert.“ Und auch ihre Zielgruppe können die Macher hier ganz schnell beschreiben: Wer nicht Gefahr laufen will, im Alltag oder beim Ausgehen auf seinen Styling-Zwilling zu treffen, der ist hier richtig. Diejenigen, die nicht die Klassiker von der Stange suche, und auch diejenigen, für die Kleidung ein Ausdruck ihres Lebensgefühls ist – sie treffen sich im Allikestore. Was der Shop zu bieten hat, sind sowohl namhafte Marken als auch Vertreter progressiver Mode.

Das Who-is-who der Markenwelt

Wer einen bewussten Umgang mit seinem eigenen Kleidungsstil hat und sich in der Modebranche auch nur ansatzweise auskennt, der weiß: Nike, Adidas und Puma sind die Global Player. Palace, Gourmet und Wood Wood sind die progressiven Unbekannten, denen nicht überall eine Lobby gewährt wird. Fashionunited stellte diese Hitliste der beliebtesten Modemarken auf. So änderte sich das Ranking von Juni bis Dezember 2016:

Auswertung der Social Media   
Beliebtheit der Marken 

(Juni 2016)

Auswertung der Social Media   
Beliebtheit der Marken

(Dezember 2016)

1. Nike

2. Adidas

3. Victoria’s Secret

4. Chanel

5. Dior

6. Gucci

7. Louis Vuitton

8. Burberry

9. Prada

10. Zara


    1. Nike

    2. Adidas

    3. Victoria’s Secret

    4. Chanel

    5. Dior

    6. Gucci

    7. Louis Vuitton

    8. Zara

    9. Prada

    10. H&M

    11. Burberry

Fazit: Auf den ersten Rängen haben sich lediglich die Social Media Scores geändert. Auf den hinteren Rängen (ab Position 8) jedoch hat sich die Reihenfolge verändert. Burberry ist binnen sechs Monaten mächtig gefallen. Prada blieb stabil und Zara hat sich vorgekämpft. H&M ist neu im Rennen.

Neue Marken setzen auf „affordable luxury“

Ein Trend, der vor allem eine Wohltat für die geplagten Geldbörsen ist, ist der, den Labels wie Valentine Gauthier, Mauro Grifoni, Patrizia Pepe und andere verfolgen. Sie nämlich positionieren sich deutlich zwischen der billigen und der teuren Mode und bieten Mode, die man sich leisten kann – eben „affordable luxury“. „Das Fachmagazin Textilwirtschaft gab diesem neuen Modesegment kürzlich den Namen „Contemporary“ oder „Affordable Luxury“ und schrieb in den vergangenen Monaten gleich mehrere Titelgeschichten darüber“, heißt es über den Trend im Tagespiegel.

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Abbildung : Bei den unbekannteren Modelabels treffen Aussagekraft und Qualitätsbewusstsein aufeinander.

Das Besondere daran ist, dass diese Modelinien meist von kleineren Designern stammen, die heute wohl in die Kategorie der „Familienunternehmen“ zu stellen wären. Statt Modenschauen, Werbung und Marketing, setzen sie auf Qualität und Stil. Zwar behalten sie mit Argusaugen die Trends im Auge und könnten auch vergleichsweise schnell und flexibel reagieren, wichtiger ist ihnen jedoch ihr Stil, der die Marke erkennbar macht und ihr einen Platz im Kleiderschrank und in den Herzen der Träger sichert. Auch haben diese Designer es aufgegeben, einer ohnehin schwer fassbaren oder gar definierbaren Zielgruppe hinterher zu hecheln. Sie konzentrieren sich auf die Mode – ob diese nun eine 20- oder eine 70-Jährige trägt, macht für die Designer keinen Unterschied.


Abbildung 1 und 2: pixabay.com © 3179289 (CC0 Public Domain)
Abbildung 3: pixabay.com © Engin_Akyurt (CC0 Public Domain)

 
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