Familienleben in der Großstadt – die besten Tipps

2016 verzeichnete das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Zunahme bei den Geburten. Damit setzt sich der Trend früherer Jahre fort. Zwischen Januar und Dezember 2016 wurden mehr als 792.000 Kinder in der Bundesrepublik geboren. Was die Zahlen allerdings nicht sagen, ist die Verteilung der Geburten. Hier hat sich eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), aus der unter anderem die Zeitung Welt Informationen veröffentlicht, mit Fragen beschäftigt. Und die Untersuchung kommt zu einigen interessanten Ergebnissen. Die Höhe der Geburtenrate ist unter anderem von dem Beruf und dem Wohnort abhängig.

Beispiel: Kiel gehört zu den Schlusslichtern bei der Geburtenrate, während Cloppenburg sehr gut dasteht. Großstädte sind auf der anderen Seite Regionen, in denen die Geburtenrate tendenziell – im Vergleich zu den ländlichen Regionen – eher niedrig ist. Hierfür machen Experten verschiedene Gründe verantwortlich. Auf der einen Seite sind Familienstrukturen in ländlichen Regionen von Haus aus etwas anders aufgebaut. Und es zieht viele Akademiker, die Nachwuchs dem Beruf unterordnen, häufig in Metropolregionen mit ihren besseren Karrierechancen und Netzwerken. Aber auch Wohnungsmarkt und Betreuungsangebote sind Faktoren, welche Einfluss auf die Geburtenrate haben.

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Abbildung 1: Hamburg hat als Großstadt eine große Sogwirkung auf Zuzügler - doch wie lässt sich das Familienleben in der Großstadt schön gestalten?

Die richtige Wohnung für Familien

Einer der Gründe, warum in Metropolregionen die Geburtenrate niedriger als im Umland ist, liefert der Wohnungsmarkt. Viele größere Städte wie Hamburg sind für die Region ein wirtschaftliches Zentrum. Und die Sogwirkung ist teils überregional. Gerade Städte mit Hochschulen haben das Problem einer ausgedehnten Konkurrenz innerhalb der Stadtbevölkerung.

Junge Familien suchen genauso nach einer größeren Wohnung wie Wohngemeinschaften. Knapper Wohnraum erhöht letztlich den Druck auf Familien bzw. Paare, die dann den Kinderwunsch vielleicht hinten anstellen. Wie groß muss eine Wohnung für Familien sein? Die Antwort ist ein Mix aus Wohnfläche und Anzahl der Zimmer.

Oft wird heute als Faustregel eine Wohnraumfläche von 45 qm für eine Person bzw. 80 qm für zwei Personen genannt. Statistische Erhebungen zeigen, dass der Durchschnitt in Deutschland wesentlich niedriger ausfällt.

Wohnfläche durchschnittlich in Deutschland (Quelle: Destatis 2011):

  • Einpersonen­haushalt – 69,6 qm

  • Paar mit 1 Kind – 35,0 qm

  • Paar mit 2 Kind – 30,3 qm

  • Paar ohne Kind – 48,7 qm

Hinweis: Für Familien mit Kindern ist nicht nur entscheidend, wie groß die Wohnfläche ist. Gerade bei mehreren Kindern stellt sich früher oder später die Frage, wann jedes Kind ein eigenes Zimmer bekommt.

Neben Wohnungen fassen Familien auch das Eigenheim ins Auge. Hier bietet sich in Städten teils sogar die Möglichkeit, Immobilien mit Garten zu erwerben. Solche Stadtvillen erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit und lassen sich heute bei passendem Bauland auch selbst errichten. Allerdings sind die Kosten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gesucht werden kann nach der passenden Immobilie entweder Bekanntenkreis, über Makler oder spezialisierte Immobilienportale.

Kindergarten und Co. – rechtzeitig planen

Kinder ab einem Jahr haben inzwischen einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Umgesetzt wird das Ganze entweder durch eine Kita-Betreuung oder Tagespflegepersonen. Dieser Rechtsanspruch existiert seit 2013 und hat in der Zwischenzeit auch Gerichte beschäftigt – bis zum BGH.

Der Grundtenor: Kann eine Kommune nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stellen – etwa weil sie den Neu- oder Ausbau der Einrichtungen versäumt hat – können Eltern Schadenersatz geltend machen. Besonders prekär scheint die Lage in Großstädten zu sein. Hier ist immer wieder zu hören, dass Eltern entweder lange nach einem geeigneten Platz suchen müssen oder lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen.

Gerade letztgenannter Fakt sorgt zwischen Eltern und Kommunen immer wieder für Streit. Dabei gehen hier auch die Meinungen der Gerichte auseinander. Einige Richter sehen eine Anfahrtszeit von 30 Minuten als praktikabel an, in den Augen deren Kollegen sollte die Einrichtung zu Fuß erreichbar sein. Um Probleme zu vermeiden, sollten Eltern sich früh um einen Platz bemühen. Heißt: Generell sind Gemeinden bestrebt, den Rechtsanspruch durchzusetzen. Wo Eltern den Nachwuchs früh anmelden, bietet sich ein komfortables Zeitfenster, um auf den Bescheid zur Betreuung noch zu reagieren.

Dass die Kitas auf dem Land besser Möglichkeiten bieten, ist übrigens ein Trugschluss. Gerade Zuzügler haben es mitunter schwer, da die Bedarfsplanung in Kommunen mit einigen hundert bis wenigen tausend Einwohnern sehr viel engmaschiger ausfällt als in Großstädten, wo das Phänomen des Zuzugs eine größere Rolle spielt.

Freizeit: Abwechslung genießen

Das Leben in größeren Städten und Metropolregionen hat Vorteile – wenn es um die Freizeitgestaltung geht. Eltern können mit ihrem Nachwuchs ein häufig sehr abwechslungsreiches Programm nutzen. In Hamburg bietet der Hafen mit seinen Festivitäten oder auch die Naherholungsgebiete zahlreiche Möglichkeiten. Beispiele für typische Freizeitmöglichkeiten in Großstädten sind:

  • Parks

  • Indoorspielplätze

  • Eventparks

  • Tierparks und Zoologische Gärten

  • Kinos

Zudem bauen viele Kommunen seit einigen Jahren verstärkt Spielplätze und setzen auf eine Stärkung der Vereinsarbeit. Sportvereine oder Feuerwehren unterhalten Sektionen für die Nachwuchsförderung. Kinder können zudem Musikschulen besuchen und erhalten kostenlos oder vergünstigt (Stichwort Schülerticket) Eintritt in Kultureinrichtungen wie Museen.

Nicht zuletzt fördern Städte auch die Teilnahme der Kinder am ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) durch spezielle Tickets für Schüler. Auf diese Weise werden Eltern finanziell entlastet und die Kommune wird für Zuzügler attraktiver.

Und im Vergleich zu ländlichen Regionen haben Städte auch im Hinblick auf Feste und die Abendgestaltung an den Wochenenden mehr zu bieten – was besonders Jugendliche und junge Erwachsene (die Generation kommender Eltern) interessiert.

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Abbildung 2: Mit der Elbphilharmonie ist ein neues Wahrzeichen entstanden - auch hier wird Eltern etwas geboten.

Fazit: Wie sich Eltern in der Großstadt wohlfühlen

Eltern stehen in vielen Bereichen des Alltags vor Herausforderungen. Dabei geht es nicht immer ums Geld oder Frage, wer die Windeln wechselt. Gerade im Hinblick auf die neue Wohnung oder den Platz in einer Kita haftet Großstädten nicht das beste Image an. Gerechtfertigt ist pauschale Kritik auf keinen Fall. Es gibt Städte, in denen wird die Situation prekärer, andere Kommunen versuchen sich aktiv an Lösungen. Gefragt ist aber auch Eigeninitiative der Eltern. Wer sein Kind erst mit 10 Monaten für einen Kita-Platz anmeldet, hat einfach Zeit verschenkt. Und an einem Punkt haben Städte meist die Nase vorn: Beim Thema Freizeitgestaltung. Hier bietet die Stadt einfach mehr Abwechslung.


Bildquellen:
Abbildung 1: @ KarstenBergmann (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Abbildung 2: @ Scholie (CC0-Lizenz) / pixabay.com

 

 
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