Der Neue Wall – Hamburgs Luxusmeile entwickelt sich rasant

Hamburg bei Nacht. Pixabay.com © LUX-187 (CC0 1.0)
Hamburg bei Nacht. Pixabay.com © LUX-187 (CC0 1.0)

Die erste Adresse für Edel-Shopping in Hamburg ist unangefochten der Neue Wall. Zwischen Jungfernstieg und Stadthausbrücke gelegen, befinden sich auf nur 600 Metern rund 100 Einzelhandelsgeschäfte der Extraklasse. Die dort ansässigen Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistung, Gastronomie und Handel sind ausnahmslos auf Kunden mit hoher Kaufkraft ausgerichtet. Besonders stark vertreten sind Sortimente aus den Bereichen Mode, Schmuck und Accessoires. Ein Luxus-Label positioniert sich neben dem anderen. Armani, Louis Vuitton, Prada, Burberry und Michael Kors sind nur einige namhafte Beispiele für das internationale Niveau der Straße. Zahlreiche renommierte Marken lassen die Herzen aller Luxusliebhaber höher schlagen. Und es kommen immer wieder neue Namen hinzu: In 2014 eröffnete Chanel seinen extravaganten Flagship Store im Neuen Wall und verließ dafür den alten Standort in der Neuen ABC-Straße. Im März dieses Jahres wurde der Shop des Modeschmuckanbieters Cadenzza, ein Tochterunternehmen der Swarovski-Gruppe, eröffnet. Ein Ende der rasanten Entwicklung ist vorerst nicht in Sicht.
Der Neue Wall ist deutschlandweit die derzeit am stärksten nachgefragte Luxuslage. Auch europaweit gehört sie laut einer Untersuchung des Investment- und Immobilien-Unternehmens Jones Lang LaSalle zu den zehn führenden Luxus-Einkaufsstraßen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Miete in der innerstädtischen 1A-Lage um rund 17 Prozent gestiegen. Aktuell beträgt die Spitzenmiete bis zu 300 Euro pro Quadratmeter und Monat. „Toplagen bleiben begehrt, dienen sie doch der Markenpräsenz und der Schärfung des Markenprofils“, fasst Investment-Analyst Martin Mahmuti den aktuellen Entwicklungstrend zusammen.

Rang Standort Passanten/Std.
1 Düsseldorfer Königsallee 5950
2 Frankfurter Goethestraße 2780
3 Hamburger Neuer Wall 2100
4 Münchner Maximilianstraße 1990

Tabelle basierend auf den Erhebungen von Jones Lang LaSalle.

Wie alles begann
Im 13. Jahrhundert wurde der Neue Wall als Teil der Befestigungsanlage der Hansestadt gebaut, die heutige „Bleichenfleet“ diente dabei als Festungsgraben. Um 1700 wurde die ursprüngliche Anlage abgetragen, der Name „Neuer Wall“ blieb jedoch erhalten. Reiche hanseatische Kaufleute bauten hier ihre Wohnhäuser, die beim Großen Brand von 1842 gänzlich den Flammen zum Opfer fielen. Auch die Bebauung, die nach 1842 entstand, ist heute fast komplett verschwunden. Die Architektur, die heute vorzufinden ist, reicht auf die neue Stadtentwicklung zurück, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ihren Lauf nahm. In der Reichspogromnacht 1938 wurden über vierzig jüdische Kaufleute und Handelskontore am neuen Wall enteignet. Gedenktafeln an den Gebäuden an der Schleusenbrücke erinnern an die beiden Modehäuser Hirschfeld und Robinsohn.

Hanseatische Tradition in Zeiten der Moderne

Einige wenige Firmennamen haben den Krieg überdauert. Aber nur noch wenige hanseatische und inhabergeführte Traditionsunternehmen sind im Neuen Wall angesiedelt und versuchen, mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Manche von ihnen haben ihr Sortiment ebenfalls komplett auf Luxus umgestellt und bieten große Marken als Shop-in-Shop-System an. Die Hanseaten sind den Traditionsunternehmen aber nach wie vor treu. Das „Wäschehaus Möhring“ gibt es bereits seit 1802, seit 1986 ist es am Neuen Wall angesiedelt. Seit über 90 Jahren findet der kulturell interessierte Käufer bei „Felix Jud“ – einer der schönsten Buchhandlungen Europas– Antiquitäten, erlesene Bücher und Kunstwerke berühmter Maler wie beispielsweise Matisse und Marc Chagall. „Weitz Tischkultur“ ist seit über 160 Jahren vor Ort ansässig und wird bereits in fünfter Generation geführt. Ein Klassiker ist „Ladage & Oelke“. Dieses Familienunternehmen existiert bereits seit 1845 und bietet traditionell englische Mode an. Die Affinität der Hamburger für zeitlose britische Eleganz ist hier ganz deutlich spürbar. Mit dem Brautmodengeschäft „b.a.c.“ schloss 2012 nach mehr als 40 Jahren ein Traditionsunternehmen. Auch der Möbelanbieter „Habitat“ konnte mit den horrenden Mietpreisen nicht mehr mithalten und schloss seine Filiale in der edlen Shoppingmeile im Juli 2014. „Wir konnten die Mietansprüche beim besten Willen nicht mehr erfüllen", sagte Geschäftsführer Thomas Kraus in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Wer geht hier einkaufen?

In erster Linie tummeln sich Touristen auf dem Weg zur Binnenalster in der beliebten Einkaufsstraße. Es gibt zahlreiche Schaulustige, die sich nur den Schaufensterbummel und ein Foto vor den Schriftzügen der großen Marken leisten können. Ein Foto vor dem Gucci-Store gehört für viele zum Pflichtprogramm. Doch auch für den kleinen Geldbeutel gibt es bezahlbare Souvenirs wie Modeschmuck oder Bücher. Wohlhabende Städtereisende aus Europa und Asien können in den Stores aber schon einmal ein kleines Vermögen für Handtaschen, Schuhe und andere Luxusgüter lassen. Die geringe Entfernung zu den exklusiven Vier- und Fünf-Sterne-Hotels Hamburgs macht die Lage zudem attraktiv. Dabei sind es aber nicht nur Frauen, die dem Shoppingfieber verfallen sind. Auch Männer gönnen sich den kleinen oder großen Luxus zwischendurch. In den oberen Etagen der historischen und neuen Kontorhäusern des Neuen Walls haben sich nach und nach zahlreiche Anwaltskanzleien, Ärzte und Unternehmensberater niedergelassen. Ein Geschäftserfolg wird hier auch schon einmal mit dem Kauf einer neuen Uhr oder einer edlen Aktentasche gefeiert.

Neuer Glanz: Business Improvement District
Seit mehreren Jahren engagieren sich die Geschäftsleute und Grundstückseigentümer gemeinsam für die Hamburger Prachtstraße. Der Neue Wall wurde 2005 zum ersten innerstädtischen Business Improvement District Deutschlands und wird seitdem grundlegend und kontinuierlich umgestaltet. Das Konzept der Quartiersumgestaltung durch Initiativen von Grundstückseigentümern und Geschäftsinhabern stammt aus den USA. Und die Idee fruchtet auch im Norden Deutschlands: Das Erscheinungsbild der Einkaufsstraße ist nun wesentlich einheitlicher und noch gepflegter. Drei Mitarbeiter sorgen täglich für zusätzliche Reinigungen und Wartungen in der Straße, sodass der erste Eindruck für Besucher und Kunden stets perfekt ist. Es wird gemeinsam Werbung gemacht und durch viele Marketing-Aktionen für zunehmenden Kundenzustrom gesorgt. Im Oktober dieses Jahres werden das zehnjährige Bestehen der Interessengemeinschaft und das neue Erscheinungsbild des Neuen Walls gefeiert. Vor allem die Neukoordination des Parkraums zeigt bereits positive Auswirkungen auf Handel, Kunden und Verkehr. Der Jahresbericht 2014 bietet eine Übersicht aller Neuerungen und kann hier eingesehen werden. Auch die Nachbarstraßen profitieren von den Entwicklungen. Einige von ihnen folgen dem Beispiel und schließen sich ebenfalls in Form von Business Improvement Districts zusammen.

Ein Blick in die Zukunft ist gestattet: Bis 2017 soll sich das gesamte Quartier zwischen Neuer Wall und Große Bleichen in eine Stadtlandschaft mit neuer Gastronomie und Hotellerie, weiteren Geschäften, Luxuswohnungen und Büros verwandeln. Geplant wird mit einer Investionssumme von 250 Millionen Euro.

 

 

 
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